Domenico Melchiorre - Percussionist

Entwicklung und Weiterentwicklung von Instrumenten

Die Welt des Schlagzeugs ist in den vergangenen Hundert Jahren extrem gewachsen. Die klangliche, materielle und nutzungstechnische Entwicklung einer grossen Anzahl an Schlaginstrumenten ist immer intensiver geworden. Mich fasziniert die Weiterentwicklung wie das Schaffen neuer Kreationen von Schlagzeuginstrumenten.

Die Herstellung dieser Ideen wurde jeweils in Zusammenarbeit mit meinem Vater Nicolantonio Melchiorre gemacht, wofür ich ihm sehr dankbar bin.

Nicophone

Es ist ein Instrument das aus einem dicken Metall-Vierkantrohr besteht, einen Grundton aufweist und durch die unterschiedlich grossen und verschiedenförmig in das Metall geschnittenen Lamellen ein enormes harmonisches Spektrum an eng aneinander liegenden Obertönen aufweist. Je nach härte oder Masse der Schlegel verändert sich beim Spielen nicht nur die Dynamik, sondern auch das Klangspektrum, da der Gesammtklang nicht nur aus der angeschlagenen Lamelle besteht, sondern auch vom Rest des Instruments, das je nach Schlegel leichter oder stärker mitschwingt.

Albero Sonoro

Die Klanginstallation ALBERO SONORO ist eine weitere Zusammenarbeit von Domenico und Nicola Melchiorre.
Das Instrument besteht aus rund siebzig Metallobjekten, die sie aus einer dreijährigen Sammlung, welche aus hunderten von Objekten besteht, gezielt ausgesucht haben.
Es sind Kreissägen, Stossdämpferkappen, Schraubenschlüssel und viele weitere spektakuläre Alltagsgegenstände denen der Schlagzeuger Domenico während seinen Performances besondere Klänge entlockt.
Eingesetzt in Improvisationen, wie auch im neuen Werk, Spazio Veneziano, des italienischen Komponisten Francesco Maria Paradiso, fasziniert der ALBERO SONORO stets visuell wie auch klanglich...

Download der Präsentation von Spazio veneziano

Marimbaphonablagen

Das Problem, keine schnellen Schlegelwechsel wärend dem Musizieren am Marimbaphon (z.B. beim Werk "Five Scenes from the Snowcountry, von H.W.Henze") führte zu dieser Entwicklung. Kleine längliche Ablagen wurden mit einer Vorrichtung hinter das Marimbaphon montiert, so dass es jeder Zeit möglich ist, schnell und ohne grosse Bewegung die Schlegel zu wechseln. Man muss nur runter greifen und die neuen Schlegel nehmen. Das Publikum wird zudem jedes Mal überrascht, wenn wieder neue Schlegel zum Vorschein kommen. Man arbeitet ähnlich wie ein Zauberer der in die Trickkiste fasst, da für das Publikum die Schlegelablage ja nicht sichtbar ist.

Schellenbaum ("Banda Turca")

Der Schellenbaum habe ich für die Oper "Italiana in Algieri" von Gioachino Rossini, die am Theater in Basel aufgeführt wurde, entwickelt.
Der Schellenbaum hat durch die klangliche und visuelle Pracht überzeugt und wurde daher auch von der Oper Köln ausgeliehen.

präpariertes Vibraphon

Das Vibraphon wurde durch Zusätze in seinem Klangspektrum stark erweitert. Zum einen sind Kuhglocken und Crotales für den Zuhörer unsichtbar hinter dem Vibraphon montiert und zum anderen sind Nylonfäden die an einem Rack festgebunden sind an den Tönen cis dis fis gis ais angeknotet. Die Crotales und Kuhglocken können z.B. mit dem Klang des Vibraphones gemischt werden, so dass eine Art elektronische Klänge entstehen.
Die Fäden können mit etwas Kolophonium an den Fingern gezogen werden. Dadurch entsteht eine Schwingung die auf die Platte übergeht. Da keine Attacke eines Schlegels dem Ton vorausgeht, kann man dem Vibraphon einen sehr klangvollen, zarten Klang entlocken.
Francesco Maria Paradiso, Professor für Komposition an der Musikhochschule in Mailand hat eigens für dieses präparierte Instrument, das Werk "Waves" komponiert, das ich im Mai 2007 im Gare du Nord in Basel uraufgeführt habe.

Bambusblocks

Bambus ist ein geeignetes Material um eine Art "Templeblocks" zu bauen. Die Spannweite von tiefen bis hohen Klängen ist sehr gross. Die Klangfarbe der Bambusblocks ist sehr rund und weich. Die Schlitze an den Seiten der zylindrischen Form des Instruments machen eine starke Schwingung der Bambuswände möglich. Die Länge des Schlitzes muss auf die Gesamtlänge abgestimmt sein, ansonsten klingt das Instrument sehr dumpf. Stimmt sie jedoch, erklingen volle und warme Holzklänge, die im natürlichen Resonanzhohlraum des Bambuses geformt und verstärkt werden.